Handy Richtfunkantenne

1999 kaufte ich mein erstes Handy. Provider war Viag-Interkom, heute  o²  heißend.  Das interessanteste am Tarif war die Homezone, in welcher man zum Ortsfestnetztarif telefonieren konnte. Handygespräche waren damals noch recht teuer, außerhalb des Viag-Interkomnetzes wurden z.B. 1,29 DM/Minute berechnet.

Da ich den damaligen Garten auf der anderen Seite der Stadt hatte, konnte ich vom auf dem Berg befindichen Garten zwars die Sendemasten der Homezone sehen, aber wegen der Entfernung und näher liegender anderer Stationen nicht nutzen. Grund genug, etwas zu tun.

Als erstes musste ich das Handy manipulieren, um in den sogenannten Monitormodus zu kommen. Dieses war nötig, um die jeweils erreichbaren und die genutzten Kanäle (=Zellen=Sendemastidentifikation) mit Empfangsfeldstärke auslesen  zu können, und um das Handy zur Benutzung bestimmter Sendetürme zwingen zu können.

Um den Monitormodus zu aktivieren, musste man den Pc mit dem Handy verbinden, es gab aber keine Datenkabel, weil die Handys nicht zur PC-Kopplung vorgesehen waren. Es wurde also nicht nur keines geliefert, es gab auch keine zu kaufen. Also Selbstbau der Hardware, am schwierigsten war der Nokia-Stecker zu bekommen, hier half nur Kauf einer einfachen Kabel-Freisprecheinrichtung und diese zerlegen.

Die Schaltung war unspektakulär, ein Spannungsregler und Pegelwandlung mit MAX232, und viele Schutzdioden, um das teuere Handy nicht zu schrotten. Wie man sieht, hat es für ein Gehäuse nicht mehr gereicht.

 

Im Monitormodus waren eine Vielzahl von internen Parametern offen zugänglich. Für mich interessant die verbundenen Sender.
Die erste Zahl im Bild (653) ist die benutze Zelle, 76 steht für -76dBm Empfangspegel, darunter stehen die Nachbarzellen. Die Zellnummern sind fest einer der drei Strahler auf einem  Sendemast zugeordnet. Mit ein wenig rumfahren kann man alle zur Homezone gehörende Zellnummern ermitteln.

 

In einem anderen Menüpunkt (Tafel 17, BTS-Test) konnte man den automatischen Senderwechsel abschalten. Hierdurch wurde dann der im Telefonbuch unter Nr.33 eingetragene Kanal verwendet und keine Sendersuche mehr durchgeführt.

Somit konnte ich dann zum nächstem Punkt des Projektes kommen, der Richtfunkantenne:

in meinem Fall eine Doppelquad mit 4 cm Kantenlänge für GSM1800. Kantenlänge ergibt sich aus Lamdaviertel. Also Lichtgeschwindigkeit 299792 km/s / 1800 Mhz = 166,55 mm Wellenlänge. 166,55 mm / 4 = 41,64 . Mit Einrechnung Verkürzungsfaktor von 0,97 ergibt sich 40,3 mm Kantenlänge.
Handgebogen aus 2,5 mm² Kupfer, Reflektor aus kupferbeschichtetem Cevausit.

 

Die damaligen Handys hatten alle noch eine Antennenbuchse auf der Rückseite, so dass mit dem richtigem Stecker der Anschluss der extra Antenne kein Problem war.

 Die Richtwirkung dieser Antenne war sehr ausgeprägt, so dass man gut auf die gewünschten Sendemasten anpeilen konnte. Gleichzeitig erhöhte sich natürlich die Reichweite. Durch das zusammenwirken von Antenne und Handymanipulation war das oben genannte Ziel umsetzbar.