Zeitbasis

Ich gebe zu, der erste technische Kauf im November 1989 war ein Videorecorder.

Es stellte sich schnell heraus, dass die Uhrzeit dieser Neuanschaffung ständig massiv aus dem Ruder lief, was für die zeitgesteuerte Aufnahmeprogrammierung von Fernsehsendungen völlig unerwünschte Effekte brachte.

Ein Blick in das Innenleben dieses Westimportes zeigte, dass als Zeitbasis die Stromnetzfrequenz von 50 Hz benutzt wurde, was durch die unstabilisierte Netzfrequenz der damaligen DDR zu einer kontinuierlichen Zeitverschiebung führte.

Nachdem analysiert war, an welcher Stelle und mit welchem Pegel das Frequenznormal auf der Videorecorderplatine verarbeitet wird, folgte der Griff in die Schaltkreiskiste und es entstand kurzerhand folgende Schaltung.

 

Ein Uhrenquarz mit 4,194304 Mhz wird durch eine Zählerkette aus 2 CMOS V4520 auf exakt 100 Hz Impulse heruntergeteilt, welche dann mit einem D-Flipflop V4013 auf ein symmetrisches 50 Hz Signal gewandelt wurden.

Die Frequenz von  4,194304 Mhz wird normalerweise benutzt, weil diese exakt 2^22 entspricht, also mit einem reinen Binärteiler auf 1Hz geteilt werden kann. Um auf 100Hz zu kommen, war etwas mehr Schaltungsaufwand nötig.

Aufbau auf Lochrasterplatte und Einbau direkt in eine freie Ecke des Videorecorders

 

 

Der Videorecorder ist inzwischen verschrottet, die Zusatzplatine ist zurück in die Bastelkiste gewandert.

Es ist übrigens verbrieft, dass nach der Zusammenschluss der Stromnetze von West- und Ostberlin auch viele Westberliner in das zweifelhafte Vergnügen kamen, plötzlich falsch laufende Radiowecker und Uhren zu bekommen.
Inzwischen ist schon seit langem das Stromnetz bundesweit frequenzstabil, aber alle Elektronikhersteller haben inzwischen ebenfalls auf Quarzgeneratoren umgestellt.